Geschichte

25 Jahre Frankfurter Hof Mainz 1991 bis 2016

E und U: „Das Nützliche und das Angenehme“

Internationale Stars im Wechsel mit lokalen und regionalen Künstlerinnen und Künstlern von Paul Anka bis Zap Mama, von Aca Pella bis Aziza Mustafa Zadeh begeisterten in den letzten 25 Jahren immer wieder das Publikum aus Jung und Alt, von nah und fern. Musikalische Legenden wie James Brown, Compay Segundo, Charles Aznavour, Joe Cocker, Herbie Hancock, Carlos Santana, Bob Dylan, Bobby McFerrin, Green Day, Nick Cave, George Dalaras, Peter Gabriel, Fanta 4 und Neil Young gaben sich in der Landeshauptstadt quasi die Klinke in die Hand. Einen Schwerpunkt bildeten dabei immer wieder die multikulturellen Veranstaltungen, die Begegnung und Verständigung mit Kulturen, Künstlern und Menschen aus aller Welt

Aller Anfang …

Angefangen hat alles vor 175 Jahren mit der Fastnacht. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Mainzer Fastnacht mit der Einführung der Saalfastnacht reformiert wurde, waren die Raumkapazitäten knapp. Der clevere Altstadt-Wirt Konrad Falck erkannte die Marktlücke und fügte seinem Haus „Zum Frankfurter Hof“ (benannt nach dem ursprünglichen Besitzer, dem Bartholomäusstift in Frankfurt am Main) in der Augustinerstraße einen Saal an.

Am 14. November 1841 wurde der neue „Narhalla-Bau“ vom MCV mit einem Mittagsmahl und einem Ball eingeweiht. Die „Unterhaltungsblätter“, eine Beilage zur Mainzer Zeitung, schrieben begeistert: „Ein Tempel … wie noch keiner da war. Ein Tempel der Geselligkeit, der das Nützliche mit dem Angenehmen verbindet“. In den MCV-Sitzungen wechselten Lokales, Kokolores und politische Themen ab – die politisch-literarische Fastnacht, noch heute eines der unverwechselbaren Markenzeichen der Mainzer Fastnacht, war geboren.

Liberalismus, Sozialismus und Katholizismus 

Der Frankfurter Hof war im 19. Jahrhundert Plattform des Liberalismus, Sozialismus und politischen Katholizismus, was ihm den Ruf als „Mainzer Paulskirche“ einbrachte. Ferdinand Lasalle, Schriftsteller und Wortführer der frühen deutschen Arbeiterbewegung, hielt hier 1863 vor 500 Zuhörern seine entscheidenden Reden zur Gründung der deutschen Sozialdemokratie.

Der streitbare Sozial-Bischof Ketteler engagierte sich hier von der Rednerbühne aus und Ludwig Bamberger formulierte in der Augustinerstraße seine „soziale Demokratie“.

Das Denkmal

Der Frankfurter Hof hatte aber nicht nur eine Bedeutung als historischer Ort für die (Bürger)Emanzipation und demokratische Tradition der Stadt Mainz. Der Deutsche Werkbund wies, nachdem in den 70er Jahren der Abriss beschlossene Sache war, auch auf wichtige architektonische, als Denkmal zu schützende Aspekte hin. „Es wäre gut, wenn die Mainzer ihrer demokratischen Tradition nicht nur mit einer Bronzetafel an einem betonierten Neubau gedächten …“

Der Bürgerverein

Dies war die Initialzündung für einen stetig wachsenden, mäandernden Sensibilisierungsprozess bei Stadtvorstand, Verwaltung, Parteien und Öffentlichkeit pro Frankfurter Hof. Es gründete sich 1983 der Bürgerverein, der mit einer Unterschriftenliste und einer furiosen Plakataktion für den Erhalt startete. „Bürger von Mainz! Schreibt an Jockel Fuchs [Anm.: damaliger Oberbürgermeister] oder an Eure Stadträte: ,Der Frankfurter Hof muß erhalten bleiben! Rathaus 6500 Mainz‘". Dabei wurden die Mitwirkenden als „geistige Hausbesetzer“ beschimpft, die die Baustelle nicht mehr betreten sollen. Dies wirkte eher motivierend; man erarbeitete unter Einbeziehung der Hofhistorie eine praktikable Zukunftsversion für ein kulturelles Bürgerzentrum für alle.

Nachdem der Vereinszweck mit der feierlichen Wiedereröffnung des Frankfurter Hofes am 10. März 1991 erfüllt war, löste sich der Bürgerverein auf. Mit einem „gewissen Stolz“ blickt man heute zurück, da in den vergangenen 25 Jahren die Macher um Ludwig Jantzer mit „viel Engagement die damaligen Vorgaben in über 10.000 Veranstaltungen bis heute erfolgreich umgesetzt haben“. Und auch der Werkbund schließt sich dem Lob an: „Der Deutsche Werkbund Rheinland-Pfalz gratuliert Herrn Jantzer und seinem Team des Frankfurter Hofs für die kreative Programmgestaltung und das großartige Durchhaltevermögen mit den permanent wechselnden internationalen Künstlern und der einfühlsamen Betreuung des kritischen Publikums“.

Anfang 2012 wurde der Frankfurter Hof, unter inhaltlicher Verantwortung der Kulturdezernentin, als Mainz Kultur in die mainzplus CITYMARKETING GmbH eingegliedert. (AH)

Kontakt

Verena Campailla
Programmmanagement Kultur

T: +49 (0) 6131 / 242-914

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