Wolf & Pamela Biermann & ZentralQuartett

Demokratie feiern - demokratisch wählen!

Wolf Biermann wie das ZentralQuartett haben die Verachtung demokratischer Grundwerte in einer Diktatur, den Gesinnungsterror und das Gift der Indoktrination jahrzehntelang erlebt. Mit diesen Erfahrungen wenden sie sich auch an die junge Generation, die im vereinten Europa aufgewachsen ist.

Unter dem Motto: “DEMOKRATIE FEIERN - DEMOKRATISCH WÄHLEN!“ starten die Künstler mit einer Reihe von Konzerten vor der Bundestagswahl eine Kampagne. Sie wollen eine hohe Wahlbeteiligung fördern und rufen dazu auf, nur wahrhaft demokratische Politiker zu wählen, um den totalitären und fremdenfeindlichen Tendenzen zu widerstehen. Es gilt ihnen die mutige Vielvölker-Vision des konservativen Demokraten Winston Churchill aus dem Jahre 1948 zu verteidigen: Die Vereinig- ten Staaten von Europa.

WOLF BIERMANN hat mit seinen Liedern und Gedichten, wie kein anderer Dichter radikal, die SED-Diktatur kritisiert. Seit dem Totalverbot 1965 sollte ihn das Auftritts- und Publikationsverbots mundtot machen. Doch der Dichter beugte sich nicht. Diese radikale Kritik führte schließlich zu Biermanns Ausbürgerung im November 1976. Die Proteste gegen dieses Unrecht gelten inzwischen als der Anfang vom Ende der DDR.

Das ZentralQuartett gründete sich Anfang der 70er Jahre in Ostberlin und setzte im Bereich des Free Jazz neue Maßstäbe. Die Rebellion zur Freiheit, die Wolf Biermann in seinen Liedern lebte, transportierten die Musiker über ihre Improvisationen und Kompositionen. Dieser Jazz war nicht nur Ausdruck des Widerstandes und des Unangepasst-Seins, sondern auch Ausdruck für eine Art Humor, der wohl allen Diktaturen abgeht - und deshalb von den Mächtigen gefürchtet ist. Das ZentralQuartett sind die Musiker Henrik Walsdorff (sax), Christof Thewes (trombone), Ulrich Gumpert (piano) Günter Baby Sommer (drums).

Die Sängerin PAMELA BIERMANN ist die weibliche starke Stimme als Kontrapunkt zu dieser Männermusik. Manch vertrautes Biermann-Lied erscheint in ganz anderem Klanggewand, ein spannender clash. Mit ihren arrangierten Improvisationen und phantasiewilden Kompositionen liefern die Künstler ein Konzert, zur Feier der freiheitlichen Demokratie und gleichzeitig als ihr Portrait: bunt, verrückt individuell und im Zusammenspiel stark.

 

„INDIVIDUELL LEBEN – IM TEAM ZUSAMMEN SPIELEN“
oder
 „SOLIST SEIN UND GRUPPENDYNAMISCH AGIEREN“.



So oder ähnlich könnte in Erweiterung und Abwandlung das Thema unserer Demokratiekonzerte auf das interaktive Zusammenspiel von Jazzmusikern übertragen werden.

Die Jazzmusik ist seit ihren ersten Anfängen in den 1920er Jahren in New Orleans eine demokratische Form gemeinsamen Musizierens mit dem Ziel, ein für alle beteiligten Musiker vertretbares Ergebnis zu erarbeiten. Jeder noch so gute Solist bringt dabei seine individuellen Fähigkeiten in den Gruppenkontext ein. Demokratisch verhält sich dabei auch das Ensemble, wenn es die  einzelnen Solisten in jeweils passenden Momenten zu Wort – respektive zum Solo kommen läßt.
Demokratie leben heißt hier Demokratie erklingen lassen, und demokratisch wählen heißt in diesem Zusammenhang, einen geeigneten Solisten für eine bestimmte Stelle im Stück auszuwählen.

Oft wählt die Band noch einen Bandleader aus, weil er bestimmte organisatorische oder herausragende musikalische Fähigkeiten besitzt. In größeren musikalischen Vereinigungen gibt es dann noch einen Orchesterbeirat usw.

All diese Merkmale zielen auf eine demokratische Staatsform en miniature ab. Selbst in den ungebundenen zeitgemäßen Spielformen des Freien Jazz spielen demokratische Kriterien eine große Rolle. Freie Musik toleriert nicht nur, sondern sie ist die freie Rede und Gegenrede. Das Ergebnis entspricht dann einem Konsens von beidem.

Wenn wir frei improvisierenden Musiker nun im Vorfeld freier demokratischer Wahlen zum nächsten Bundestag mit Wolf & Pamela Biermann auf Konzerttour gehen, möchten wir ein wenig klingende Demokratie auf der Bühne praktizieren. Man mag sich fragen wie das gehen soll, wo doch zum größten Teil feststehende Lieder mit Texten und Melodien im Programm stehen. Hierzu kann ich sagen, daß die praktizierte Demokratie schon in den Proben stattgefunden hat, wo wir im Ensemble die Stücke mit den künstlerischen Vorschlägen aller Beteiligten erarbeitet haben und nun den oben beschriebenen Konsens zu Gehör bringen können.

Es sind sechs Künstler auf der Bühne, es waren sechs Stimmen, die bei den Proben diskutiert, gestritten und Vorschläge gemacht haben, es wurden die Brauchbarsten ausgewählt -  und die kann man heute hören!
So funktioniert Demokratie, wenn sich alle beteiligen.

Günter Baby Sommer
August 2017

 

Bild: © Thorsten Jander

Mi., , Frankfurter Hof
Beginn: 20:00 Uhr, Einlass: 19:00 Uhr

  Tickets

Veranstalter: mainzplus CITYMARKETING GmbH / Frankfurter Hof