PresseNewsletterKontaktAnfahrtsplanAGBsImpressum

Home
Programm
Frankfurter Hof
Mitarbeiter
Geschichte
Künstler 1992-2004
bBackstage
Gastronomie
Archiv

suchen

Tickets buchen

Mainzer Zeltfestival


Summer in the City


Dorint Novotel Mainz


Gastro im Frankfurter Hof
Gusto

Aziza Mustafa Zadeh





Backstage

Das Leben ist ein Catering

Künstler und ihre Backstage-Gewohnheiten

NarymannDie einen stehen auf eingeweichte Bohnen, die anderen wollen 400 Handtücher in einer bestimmten Farbe; einer kann hinter der Bühne keine Tomaten oder Broccoli sehen, der andere will's vegetarisch und fühlt sich von Grillgeruch belästigt. Stars, ihre Backstage-Macken und extravaganten Cateringgewohnheiten - eine Wissenschaft für sich, die schon manchen Veranstalter um den Schlaf brachte. Denn: Nur ein zufriedener Künstler ist ein guter Künstler! Schon manche Veranstaltung stand vor dem Kollaps, weil die georderte Sorte "Monk Beer", eine bestimmte Limonensorte oder ein bestimmter Tequila beim besten Willen nicht aufzutreiben war Das Catering ist wichtigste Nebensache der Welt. Auch der Frankfurter Hof kann ein Lied davon singen.

Al JarreauVor vielen Jahren hatte Veranstalterpapst Fritz Rau, der im Laufe der Jahrzehnte von Mick Jagger über Jimi Hendrix bis Eric Clapton und Prince diverse internationale Pop-Größen zu seinen Freunden zählt, ein "traumatisches Erlebnis". Fünf Minuten vor Konzertbeginn fragte Janis Joplin, die bereits zwei Flaschen Tequila geleert hatte, nach Nachschub. Fritz Rau konnte so schnell keinen neuen Tequila auftreiben, Janis Joplin weigerte sich daraufhin, die Bühne zu betreten. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung, die darin gipfelte, dass Rau hilflos-wütend die ehemalige US-Rock-Röhre anschnauzte: "Gut, dann zahle ich den Zuschauern das Geld zurück, vergessen wir den Auftritt." Whiskey tat es schließlich auch, Janis Joplin trat auf. "Seit diesem Konzert wollte ich nie mehr in die Verlegenheit kommen, einen Künstler, der auf die Bühne geht und die Leute unterhalten muss, nicht ausreichend versorgen zu können", sagt Fritz Rau heute. Seitdem erkundigt sich der Veranstaltermogul rechtzeitig nach den extravaganten Cateringwünschen seiner Künstler. Dies dürfte die Geburtsstunde der Cateringlisten gewesen sein, die in aller Regelmäßigkeit per Fax vor Künstlerauftritten auch bei Veranstaltern in Mainz und Wiesbaden eintreffen. Für deren vollständige Erfüllung hat man zu sorgen, inklusive spontaner Wünsche der Künstler vor und nach dem Auftritt. Grundsätzlich muß dabei klar sein: Zuerst kommt der Künstler, dann der Künstler und dann der Künstler...

Trend zum Grünzeug

Bobby Mc FerrinDie Bandbreite der kulinarischen Wünsche ist dabei so unterschiedlich wie die Menschen verschieden sind. Al Jarreau besteht auf in Wasser pürierte Bohnen, aber verabscheut Tomaten. Die esoterisch-angehauchte Sinéad O`Connor forderte auf ihrer bescheidenen zwanzigseitigen Catering-Liste beim Mainzer Zeltfestival 1997, dass auf keinen Fall Broccoli auf der Backstage-Tafel zu erscheinen habe.

Doch der Backstage-Trend geht zum Grünzeug und biologischen Gesundfutter. Die Wahl-Mainzerin und "Prinzess of Jazz" Aziza Mustafa Zadeh, Musicclown Hans Liberg, Rocklady Tina Turner, die israelische Sängerin Noa, "Don``t-be.worry"-Stimmakrobat Bobby Mc Ferrin, die Scorpions und andere stehen auf vegetarische Kost. Sogar der beleibte Trierer Meister der Nussecken, Guildo Horn, gierte bei seinem Konzert auf der Mainzer Zitadelle nach Obst und Naturkost. Die Zeiten sind längst vorbei, als sich Joe Cocker vor Jahren in einem Wiesbadener Hotel im Kühlschrank diverse Hamburger bunkerte, die er sich nachts (kalt!) in den Bauch haute. Komplizierter für den Veranstalter wird es bei den Extras.

Exakt auf 40 Sekunden

AzizaDie smart-resolute Noa wünschte vor ihrem Auftritt, dass ein Teebeutel exakt 40 Sekunden in heißem Wasser ziehen muß. In unmittelbarer Nähe herrscht beim Soundheck striktes Rauchverbot. Dies gilt auch für Bobby Mc Ferin, der im Umkreis von 100 m Luftlinie seine vergoldeten Stimmbänder bedroht sieht, während das andere renommierte Vokalpendent Al Jarreau im Backstage-Bereich nach dem Konzert lässig-cool und zigarettenqualmend Autogramme gab. Konstantin Wecker besteht auf einfarbige, möglichst weiße Frottiertücher, Wasser ohne Kohlensäure, eine gemischte Rohkostplatte, vegetarische Vollwertkost wie Gemüsekrapfen und trockenen intensiven Weißwein. Alles andere ist Schnee von gestern. Gerhard Polt und die Biermösl Blosn geben sich im Backstagebereich so sympathisch unkompliziert wie vor Publikum. Kaltes Bier und "irgendwas zu essen" reicht. Beim Heinz-Becker-Double Gerd Dudenhöffer tut es ein trockener, einheimischer Weißwein zur Entspannung, Otto Sanders regt sich mit einem guten, trockenen Rotwein an, den er während seiner Ringelnatz-Lesung auf der Bühne genüßlich weiter konsumierte und dabei zur kongenialen Hochform auflief.

Als Pavarotti den Dicken machte

GesprächAls kompliziert gilt die Crew um B.B. King, die noch Minuten vor Konzertbeginn bei Nichterfüllung extravaganter Wünsche mit der sofortigen Abreise pokert. Oder Pavarrotti, der dem Veranstalter bei seinem Konzert in Offenbach mit seinem Wunsch nach einer bestimmten Wassersorte mit Limone an den Rand des Wahnsinns brachte, um dann einmal kurz damit (ohne Limone) zu gurgeln. Als der vor Jahren vom Junkie zum Vegetarier konvertierte Altrocker Jack Bruce beim Soundcheck im KUZ die gutgemeinte Mainzer Fleischwurst auf dem Buffet vorfand, schleuderte er die bekannte rheinhessische Fleischdevotionalie kurzerhand beim Soundcheck durch den leeren S Saal. Das Konzert fand statt - aber mit einem "unterkühlt" aufspielenden Gitarrencrack. "Probleme" bereiteten auch die Forderungen der beiden zentnerschweren Wheatergirls nach "vier grossen Handtüchern". Wie groß müssen denn die Handtücher sein?! Und wenn beim Donovan-Konzert des Frankfurter Hofes im Eltzerhof schon an der Kasse penetranter Räucherstäbchengeruch in der Luft lag, war dies nicht eine fehlgeschlagene Nachinszenierung der 70er-Jahre, sondern Donovan, inzwischen konsequenter Nichtraucher, ertrug den Geruch des kalten Zigarettenqualms in seiner Garderobe nicht, es mußten Räucherstäbchen angesteckt werden, die den gesamte Eltzer Hof einnebelten.

Die meisten Künstler sind unproblematisch, und so mancher Künstler begibt sich nach seinem Auftritt noch einmal unter die Leute in die Mainzer oder Wiesbadener Gastronomieszene. Der mittlerweile geschlossene "Winzerkeller" in der Emmerich-Josef-Straße war lange Jahre Domizil der deutschen Kabarett- und Kleinkunstelite, die sich hier nach ihrem Auftritt im Mainzer unterhaus ein Stelldichein gab. Von Hüsch über Wecker bis Hohler und Reinhardt Mey dokumentierten Fotos und Autogramme an den Wänden von vielen lang durchzechten feucht-fröhlichen Nächten.

Ertha Kitt nahm es gelassen...

Gerd DudenhöfferGerd Dudenhöffer läßt sich bei seinen Auftritten im "Frankfurter Hof" auch gern mal mit deftigen Rippchen und Sauerkraut vom "Weinhaus Bluhm" versorgen, den bayrischen Rock`n Roll-Karl Valentin Georg Ringsgwandl zieht es nach seinen Mainzer Auftritten zum Chinesen in der Parcusstrassen. Viele Künstler des Frankfurter Hofes treffen sich im Rockcafe im Parterre, essen im Incontro wie Julien Clerc oder Hans Joachim Kullenkampff oder waren wie Salif Keita, Michael Mittermeier oder die sonorigen Herren des Buena Vista Social Clubs im Florian. Anzutreffen. Chanson-Weltstar Juliette Greco gastierte nach ihrem Frankurter-Hof-Auftritt im Sterne-Lokal Bassenheimer Hof bei Chef de la cusine Michael Müller. Ihr Eintrag ins Gästebuch: "Merci de tout mon coeur". Ethno-Musiker Salief Keita steht auf Wiener Schnitzel, die Schweizer Clownsfrau Gardi Hutter mag gebratene Chorizo, und die spanische Gitarrenlegende Tomatito beläßt es bei simplen Chicken Wings und Spaghetti. Comedy-Star Michael Mittermeier giert es nach Steak mit frischen Pfifferlingen, Kartoffelgratin und Fettucine, und beim legendären Auftritt von Ertha Kitt im Frankfurter Hof gab es beim nachträglichen Empfang Hühnerbrust im Speckmantel, Garnelen im Knuspermantel und Spargel in Lachsröllchen. Die Deko war american-like kitschig, nach Protokoll, in den US-Nationalfarben gehalten, die ehemalige Kritikerin der amerikanischen Vietnampolitik nahm es gelassen..

Es gibt keine problematischen Künstler ...

Patricia KaasKünstlervater Fritz Rau nimmt seine Künstler gerne nach Konzerten in der Frankfurter Festhalle gerne mit in sein Bad Homburger Gastro-Domizil "Wasserweibchen". Hier wurden die langjährigen Freundschaften mit Mick Jagger, Udo Lindenberg oder Jimi Hendrix feucht-fröhlich bei hessischer Hausmannskost gesiegelt. Gitarrenlegende Jimi Hendrix bekamen zwar die leckeren, hausgemachte Spätzle nicht, doch das tat der Freundschaft zum "alten Fritz" keinen Abbruch. Fritz Rau kann es sich längst leisten, sich extrem extravaganten Cateringwünschen zu widersetzen. Bei einem bekannten deutschen Top-Act versagte er z.B. vor dem Konzert die bestellte Flasche Whiskey. Rau "diplomatisch": "Es sollte keiner in Gefahr geraten, sich zu besaufen.". Überhaupt sind die Großen nicht so das Problem. So bestätigt Rainer Zosel erfahrener Konzertveranstalter aus Wiesbaden: "Die Großen sind in der Regel unkompliziert, Probleme bereiten eher die Kleinen mit ihren Starallüren." Dies kann auch Andreas Gaul vom gleichnamigen Gastronomieservice bestätigen, der nicht nur für die "privaten" Veranstaltungen (wie z.B. Landesbank, Ikea) im Frankfurter Hof verantwortlich ist, sondern u.a. auch im Show-Bereich deutschlandweit "catered". Andreas Gauls Crew war zum Beispiel für die Gastronomie beim Offenbacher Musical "Tommy" zuständig, versorgte u.a. Tina Turner und die Scorpions (Petersilienwurzelnsuppe und Selleriestrudel) bei ihren Auftritten in der Festhalle mit Vegetarischem. Andreas Gaul süffisante Arbeits-Philosophie: "Das Leben ist ein einziges Catering."

... es gibt nur schlechte Veranstalter

Das Leben ist ein Catering und vor Überraschungen ist der größte Profi nicht sicher. Auf dem 3. Mainzer Zeltfestival hatte man nach dem Konzert von Patricia Kaas standesgemäß allerlei kulinarische Köstlichkeiten aufgetischt. Aber "Mademoiselle chante le blues" gierte es nach ihrem viel umjubelten Konzert nach etwas ganz Einfachem: nach einer Mainzer Bratwurst. Noch in der Nacht fuhr die von Daimler gesponserte S-Klasse die Weinmarkte um Mainz und Wiesbaden ab, um diverse Bratwurststände anzuvisieren. Ludwig Jantzer, Impresario des Zeltfestivals, diabolisch: " Es gibt keine problematischen Künstler, es gibt nur schlechte Veranstalter."

Albert Hoehner

Zum Seitenanfang
JOHNNY CLEGG
JOHNNY CLEGG

Spirit is the Journey - The 30th Anniversary Concert
So. 12.09. 20:00 Uhr
... mehr »










EMMI Promotion